Safe and Sound Protocol (SSP)

Basierend auf der Polyvagaltheorie von Dr. Porges, entstand, nach jahrzehntelanger Forschung, das Safe and Sound Protocol (SSP). Laut der Polyvagaltheorie soll der Parasympathikus (wird auch Ruhenerv oder Erholungsnerv genannt) zweigeteilt sein, in einen dorsalen (hinteren) und einen ventralen (vorderen) Vagusnerv. Ferner beschreibt Dr. Porges in der Poyvagaltheorie die Wirkung des autonomen Nervensystems (ANS) auf das subjektive Erleben von Situationen auf Menschen.

Mit diesem Hintergrundwissen entstand das "SSP" als praktisches und einfach anzuwendendes Werkzeug.

 

SSP nutzt über das Gehör einen passiven Zugang zum autonomen Nervensystem. Durch speziell gefilterte Musik werden die Mittelohrmuskeln auf eine Art angesprochen die das autonome Nervensystem beruhigen und Zustände von Sicherheit fördern. Dieses subjektive Gefühl der Sicherheit soll dazu führen, in ruhige und entspannte Interaktionen mit anderen Menschen treten zu können. Geräusche und Eindrücke sollen schneller gefiltert und eingeschätzt werden können. Das SSP ist keine Therapie und ersetzt somit keine notwendigen Therapien. Es ist vielmehr eine begleitende Maßnahme, die die bereits bestehende Therapie effektiver und Änderungen im Nervensystem leichter möglich werden lässt.

Es gibt dabei 2 Musikvarianten, eine für Kinder und eine für Erwachsene. Für Kinder ist das System einsetzbar ab einem Alter von 18 Monaten.

SSP hat sich besonders bewährt bei:

Sozialen und emotionalen Schwierigkeiten

Innerer Unruhe

Schlafstörungen

Angstzuständen und Panikattacken

Konzentrationsstörungen

ADHS und ADS

Autismus

 

Ablauf der SSP Anwendung

Das SSP ist so vorgesehen, dass an fünf aufeinanderfolgenden Tagen die speziell modulierte Musik gehört wird. Die Musik wird je eine Stunde pro Tag von einem MP3 Player abgespielt und der Klient hört sie über einen Kopfhörer. Der Kopfhörer ist notwendig, weil nur so die Stimulation der Mittelohrmuskulatur gewährleistet werden kann. Zeitliche Abweichungen sind möglich. Der Therapeut entscheidet dies zusammen mit dem Klienten bzw. dessen Erziehungsberechtigte/n.

Während der SSP Anwendung sind folgende Aktivitäten möglich: Puzzle, Lego, Malen, Stricken, Bilderbuch u.a.

Aktivitäten, bei denen das Nervensystem aktiviert wird, sind nicht möglich. Folgendes ist nicht möglich: Lesen, Computerspiel u.a.

An jedem Tag findet ein Vorgespräch statt. Dies ist notwendig, um zu sehen, wie der Organismus des Klienten auf die Anwendung des Vortages reagiert hat und um eventuell notwendige Änderungen im Ablauf vorzunehmen. Weiterhin findet nach der Anwendung ein Nachgespräch statt. Hierbei wird über die Erfahrungen, die der Klient während des SSP gemacht hat, gesprochen.

Während der SSP Anwendung bin ich immer anwesend. Dies ist absolut notwendig, um Co-Regulation zu ermöglichen.

 

Nach der Anwendung

Generell ist ein ganz normales Alltagsprogramm möglich. Trotzdem wäre es gut, wenn man nach der SSP Anwendung das Nervensystem nicht überstimuliert. Schüler sollten die Hausaufgaben schon vor der Anwendung erledigen. Ferner sollten nach der Anwendung laute Geräusche, Konzerte, Disco usw, vermieden werden.

 

Es kann sein, dass nach der SSP Anwendung große Müdigkeit eintritt. Über weitere möglichen Auswirkungen spreche ich im ersten Vorgespräch mit den Interessenten.

 

Kosten der SSP Anwendung

Die Anwendung wird an fünf aufeinanderfolgenden Tagen mit je einer Stunde durchgeführt. Zusätzlich gibt es jeden Tag ein Vor- und ein Nachgespräch. Insgesamt rechne ich für die fünf Tage mit 7-8 Stunden Zeitaufwand. Darin enthalten sind therapeutische Interventionen, die während der Anwendung notwendig werden können. Mein Honorar für die gesamte Leistung beträgt 400 €.

Diese Kosten werden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Erkundigen Sie sich vor der Anwendung des SSP bei Ihrer Krankenkasse.

Bitte bringen Sie immer genügend Zeit mit.

 

Ein Brief von Dr. Stephen Porges

…Seit Ende der neunziger Jahre evaluiert und verfeinert meine Forschungsgruppe das Protokoll, das sich zum Safe and Sound-Protokoll entwickelt hat. Während dieser Zeit testeten wir das Protokoll an mehreren hundert Kindern mit einer Vielzahl von Störungen, einschließlich Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, Sprach- / Sprachverzögerungen, auditorischen Überempfindlichkeiten und Verhaltensregulationsstörungen. Die Ergebnisse dieser Forschung waren sehr positiv, mit einer spürbaren Zunahme des spontanen Verhaltens bei sozialem Engagement, einer Verringerung der Schallempfindlichkeit, einer verbesserten Organisation des sozialen Verhaltens und des emotionalen Zustands sowie einer verbesserten und spontaneren verbalen Kommunikation, die durch ausdrucksstärkere Stimmen hervorgehoben wird…

 (Der Einfachheit halber wurde im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich eingeschlossen)